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Die Vielfalt des Daseins

 

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Was für einen großartigen Workshop wir doch in Moskau vom 7. bis zum 9. Januar hatten! Danke an alle, die ihn organisiert und daran teilgenommen haben! Unser Thema war „Die Vielfalt des Menschen tanzen“. Renata Murez gab eine kurze Einleitung zum Workshop am 6. Januar. Dieser Tag ist der Kolyada-Feiertag, und entsprechend dem traditionellen Brauch waren mehrere der Workshopteilnehmer in Tierkostüme gekleidet!

Kolyada ist ein Fest, das allmählich wiederbelebt wird; ursprünglich war dies ein Tag, mit dem die Rückkehr der Sonne begrüßt wurde, bei dem Lieder gesungen wurden und an dem man einander reiche Ernten und glückliche Vermählungen wünschte. Dabei haben viele Leute Kleider des anderen Geschlechts getragen oder Kostüme von Tieren, wie Bären, Ziegen und Schafe.

Feiertage wie dieser erinnern uns daran, was unsere Vorfahren einst wussten: Dass wir Nachkommen und junge Mitglieder des Königreichs der Tiere sind. Die Wände von Höhlen wie die von Lascaux oder Chauvet zieren vor allem Tiere und kaum Menschen. Ausgezeichnete bildliche Darstellungen von Hirschen, Pferden, Panthern, Löwen, Bären, Hyänen, Bisons, Rhinozerossen, Mammuts, Eulen, Steinböcken, Auerochsen und Wölfen stehen einige wenige menschliche Gestalten gegenüber, die oft als Strichmännchen dargestellt sind oder die Felle oder Geweihe tragen oder tierische Merkmale aufweisen wie Vogelköpfe oder Hörner.

Diese ehrfurchtsvolle Darstellung von Tierfiguren zeugt, wie der Dichter und Forscher Clayton Eshleman dargelegt hat, von einer Sehnsucht, zu einem früheren Zustand zurückzukehren, in dem Menschen und Tiere eins waren. In seiner Einleitung zu seinem bahnbrechenden Werk aus Dichtung und Prosa, „Juniper Fuse“, schrieb Eshleman:

…Ich glaube, dass der Ursprung und die Entwicklung der Höhlenmalerei durch eine Krise ausgelöst wurde, in der die Menschen des Jungpaläolithikums begannen, das Tier aus ihren sich herausbildenden menschlichen Köpfen herauszulösen und es auf die Höhlenwände zu projizieren (wie auch auf eine Vielzahl von Werkzeugen und Waffen, die sie oftmals aus den Tieren selbst hergestellt hatten). Mit anderen Worten: Die Freilegung dessen, was man als autonome Vorstellungskraft bezeichnen könnte, entsprang dem Inneren als eine projizierende Antwort derer, die darum rangen, sich vom Tier zu trennen, während sie doch tief mit ihm verbunden waren.

Diese Loslösen vom Tier als eine gestaltende Funktion der Vorstellungskraft der Cro-Magnon-Menschen zeigt auf einer alltäglichen, pragmatischen Ebene die zunehmende Trennung zwischen dem Reich der Tiere und dem des Menschen an. Ich vermute, dass diese Trennung zu einem großen Teil durch Waffen, die über größere Distanz wirkten (Speer, Speerschleuder, Harpune und wahrscheinlich Pfeil und Bogen), hervorgerufen wurde. Schamanismus bzw., was eine akkuratere Bezeichnung wäre, Proto-Schamanismus, könnte als Reaktion auf diese andauernde Trennung entstanden sein, um den Menschen wieder mit dem Ideal dieses Paradieses, das nicht existierte, bevor die Trennung verspürt wurde, zu verbinden.

(von http://www.claytoneshleman.com/intro.html)

Eshleman fährt damit fort, die dreidimensionalen Beziehungen zwischen natürlichen Formen der Höhlenwände und den bildlich dargestellten Tieren aufzuzeigen – so entspricht beispielsweise die Kontur der Höhle dem rhythmischen Lauf des Bisons. Dies verleiht diesen Bildern die Eigenschaft, dass der Betrachter sie auf physischer Eben wahrnehmen kann und ein Gefühl davon bekommt, wie es ist, in unmittelbarer Nähe zu diesen Tieren zu existieren.

Tatsächlich nimmt Eshleman an, dass die Künstler sich vorstellten, dass die Tiere direkt der Höhlenwand entsprangen – aus Dimensionen auf der „anderen Seite“ der Wand.

Wenn wir über diese Schöpfungen nachsinnen, können wir das Erstaunen unserer Vorfahren fühlen, wie sie als späte Ankömmlinge in diese unglaubliche Vielfalt voneinander abhängiger Wesen und Wahrnehmungen hinein gerieten. Wir können uns vorstellen, dass die Tiere unsere menschlichen Vorfahren von den Wänden einer kosmischen Höhle aus herbeiriefen, aus dieser ursprünglichen, unendlichen Quelle heraus, um uns ins Sein hineinzuträumen.

 

 

 

Wir werden dieses Thema auf unserem kommenden Workshop in Berlin, 1., 2. & 3. Juli 2016, gründlich erforschen; im Anschluss an den Workshop werden wir am 4. Juli die Wälder und Feuchtgebiete des Spreewalds, einem Biosphärenreservats der UNESCO, besuchen. Das Thema wird auch gegenstand weiterer bevorstehender Veranstaltungen sein:

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